du musst die Anker heben


Du musst deine Anker heben, bevor du deine Segel zu neuen Ufern setzt. (R.Giesen)


Ich sitze bei K. und J. in der Küche. Sie sind langjährige Freunde

- und ich beklage mich darüber, dass ich mein Leben verschwendet habe,

weil ich nie für mich und meine Ziele kämpfen konnte.


J. fragt mich: "Was liegt tief in deinem Inneren verborgen, dass dich davon abhält, für deine Ziele zu kämpfen?"
Ich schließe meine Augen- lausche in mich hinein.


Ich bin 48 Jahre alt und gehe nicht in den Keller, aus Angst vor den Monstern die dort lauern.
Oder besser gesagt - der Angst meines inneren Kindes vor den Monstern.


Ich bin 6 Jahre alt und liege auf dem kalten Steinfußboden im Keller. Ein Junge, 8 Jahre älter, sitzt auf mir.


Mit seinen Knien keilt er mich ein, so daß ich mich nicht wehren kann.

Er kitzelt mich - ich lache
Er kitzelt weiter - ich schreie und muss lachen
Ich versuche mich zu befreien
Ich muss immer weiter lachen und winde mich unter ihm
Ich kann mich nicht befreien und schreie und lache und kämpfe
Er hört nicht auf - kitzelt mich immer weiter
Ich höre auf zu kämpfen - ich kann nicht aufhören zu lachen und ich fange an zu weinen.
Er macht weiter - ich höre auf zu kämpfen

Ich verlasse mich
Ich sehe mich von oben - auf dem kalten Boden liegen
Ich habe den Kampf verloren.


Mich verloren


Nicole? Nicole!


"Was hält dich davon ab, für deine Ziele zu kämpfen?"
Ich öffne meine Augen und sehe Jürgen an.


"Wenn ich für mich kämpfe, kann ich nur verlieren."

Wie lebe ich mein Leben, wenn ich diesen Gedanken glaube?

Ich gehe Konflikten aus dem Weg. Ich bin viel allein und für mich.

Ich bin ängstlich.

Möchte nicht gesehen werden.
Erst später fange ich an zu kämpfen. Aber immer nur für andere, nicht für mich.

Wenn ich nicht für mich kämpfe, habe ich schon verloren.


Ich kämpfe für mich und schreibe ein Arbeitsblatt über den Jungen

und über das was im Keller geschehen ist:

Ich bin panisch wegen dem Jungen, weil er mich gegen meinen Willen festhält.
-

Ich will, dass er mich in Ruhe lässt
-
Er sollte sehen, dass er mich kaputt macht.
Er sollte sehen, dass er meine Grenzen überschreitet.
-
Ich will, dass er mich beschützt, dass er mich loslässt.
-
Er ist stark, sadistisch, krank, beängstigend, mißbräuchlich.
-
Ich will nie wieder hilflos aufgeben müssen
ich will nie wieder zu schwach zum kämpfen sein
-
Ich rufe M. an und sie begleitet mich durch das Arbeitsblatt:

Einen Tag später sitze ich draußen auf der Hollywoodschaukel und neben mir sitzt mein Work-Freund K.,

der mir sehr am Herzen liegt. Und ich erzähle ihm von dem Jungen, der mich so gekitzelt hat.
Es ist hell und warm und ich sehe ihn an, sehe seine Verwunderung.
"Ich habe meine kleine Schwester auch immer gekitzelt."


Ich sehe ihn an und lache.


Große Brüder kitzeln ihre Schwestern.


Das ganze Drama fällt von mir ab.


Ich bin 48 und gehe in den Keller. Dort sind keine Monster.


Nur ein Junge und ein Mädchen; die ihre Geschichten geglaubt haben.

Du fragst dich, warum ich soviele Namen und Menschen erwähne?


Das tue ich für mich, denn ich bin nicht mehr 6 Jahre alt und ich bin nicht mehr allein.

Nur manchmal vergesse ich das noch.


"Ich kann den Wind nicht ändern, aber ich kann die Segel anders setzen."



Toll einfach toll und krass wieviel zierliche Menschen du überall siehst ;-)


Liebe Nicole, Danke Danke Danke fürs teilen. Das hat mich sehr berührt. Ich und mein Körper, dass war auch Krieg. Ich habe zehn Jahre lang alles was ich gegessen habe ausgekotzt, um ihm eine Form zu geben, die er nie annehmen wollte. Ich war mein schlimmster Feind. Inzwischen sind wir friedlich miteinander. Ich schätze ihn und seine Kraft und was er für mich tut. Vom lieben sind wir zwei noch ein Stück entfernt. Und auch von Kleidern in nicht sackförmig und anders als schwarz. Ich finde es so, so schön, mir vorzustellen wie Du Dein petrolfarbenes Kleid trägst. Und schöne Schuhe.


Durch deine Art zu schreiben, bin ich sofort in Gedanken bei dir... am Strand, im Kindergarten, vor dem Spiegel... lieben Dank für diese Reise.
Herzliche Grüße einer kleinen, zierlichen Frau... die den irrsinnigen Gedanken hat, so gerne größer sein zu wollen und gefühlt ständig von min 1,75m Frauen umgeben ist


BANK